Akten, E-Mails, Kanzleisoftware, Dokumentenmanagement und zahlreiche weitere Anwendungen sind heute permanent miteinander und mit dem Internet verbunden. Gleichzeitig arbeiten Mitarbeiter im Homeoffice, externe Dienstleister benötigen zeitweise Zugriff und Mandant oder Besucher nutzen möglicherweise das WLAN der Kanzlei.
Eine professionell konfigurierte Firewall gehört deshalb zu den grundlegenden Sicherheitsmaßnahmen einer modernen Kanzlei-IT. Sie kontrolliert den Datenverkehr zwischen unterschiedlichen Netzwerken und kann unerwünschte oder nicht benötigte Verbindungen blockieren.
Entscheidend ist allerdings nicht nur, dass eine Firewall vorhanden ist, sondern wie sie eingerichtet, überwacht und regelmäßig aktualisiert wird. Das BSI betrachtet Firewalls als wichtigen Bestandteil einer sicheren Netzwerkarchitektur und beschreibt Anforderungen an ihren sicheren Betrieb und ihre Konfiguration.
Was macht eine Firewall?
Eine Firewall kontrolliert Netzwerkverbindungen anhand definierter Regeln. Sie kann beispielsweise festlegen, welche Verbindungen aus dem Internet in das Kanzleinetzwerk erlaubt sind und welche Systeme innerhalb des Netzwerks miteinander kommunizieren dürfen.
Vereinfacht gesagt entscheidet sie:
Welche Kommunikation ist erlaubt – und welche wird blockiert?
Damit bildet sie eine Schutzschicht zwischen unterschiedlichen Netzwerkbereichen. Das kann die Grenze zwischen Internet und Kanzleinetz sein, aber auch die Trennung verschiedener interner Bereiche.
Eine Firewall allein verhindert allerdings nicht jeden Cyberangriff. Sie muss mit weiteren Maßnahmen wie sicheren Benutzerkonten, Multi-Faktor-Authentifizierung, aktuellen Systemen, Endpoint-Schutz und geschulten Mitarbeiter zusammenspielen.
Warum ist eine Firewall für Kanzleien wichtig?
Rechtsanwalts- und Steuerberatungskanzleien verarbeiten zahlreiche vertrauliche Mandanten-, Unternehmens-, Personal- und Finanzdaten. Gleichzeitig sind ihre IT-Systeme auf eine Vielzahl externer Verbindungen angewiesen.
Dazu gehören beispielsweise:
- E-Mail und Microsoft 365
- Kanzleisoftware
- Cloud-Dienste
- ERV und Fachanwendungen
- Fernzugriffe und Homeoffice
- externe IT-Betreuung
- Online-Datenbanken
- Backup-Systeme
- Drucker und Netzwerkgeräte
Nicht jedes Gerät und nicht jede Anwendung muss dabei uneingeschränkt mit allen anderen Systemen kommunizieren können.
Eine gut konfigurierte Firewall reduziert unnötige Netzwerkverbindungen und hilft dabei, sensible Bereiche gezielt abzuschirmen.
Welche Bereiche sollten getrennt werden?
Je nach Kanzleigröße und Infrastruktur kann eine sinnvolle Aufteilung beispielsweise so aussehen:
Welche Trennung sinnvoll ist, hängt immer von der konkreten IT-Infrastruktur ab. Entscheidend ist das Prinzip: Ein Gerät sollte nur auf jene Systeme zugreifen können, die für seine Aufgabe tatsächlich benötigt werden.
Gast-WLAN konsequent vom Kanzleinetz trennen
Bietet eine Kanzlei Mandant oder Besucher WLAN an, sollte dieses nicht denselben Netzwerkzugang verwenden wie interne Arbeitsplätze und Server.
Ein Gastgerät benötigt normalerweise lediglich einen Internetzugang. Zugriff auf Dateiablagen, Drucker, Kanzleisoftware oder andere interne Systeme ist dafür nicht erforderlich.
Ein separates Gastnetz reduziert deshalb unnötige Verbindungen zum internen Kanzleinetz.
Auch private Geräte von Mitarbeiter sollten nicht automatisch denselben Netzwerkzugriff erhalten wie verwaltete Kanzleigeräte.
Remote-Arbeit sicher ermöglichen
Homeoffice und mobiles Arbeiten gehören in vielen Kanzleien zum Alltag. Gleichzeitig bedeutet ein Fernzugriff, dass eine Verbindung von außerhalb des Kanzleinetzwerks zu internen Ressourcen hergestellt wird.
Solche Zugänge sollten deshalb besonders geschützt werden.
Je nach Infrastruktur können dazu unter anderem gehören:
- abgesicherte VPN-Verbindungen
- Multi-Faktor-Authentifizierung
- persönliche Benutzerkonten
- Einschränkung auf benötigte Systeme
- aktuelle und verwaltete Endgeräte
- Protokollierung von Zugriffen
- regelmäßige Überprüfung bestehender Fernzugänge
Das BSI empfiehlt bei Remote-Zugriffen unter anderem geeignete VPN-Lösungen und eine sichere technische Umsetzung der Verbindung zum internen Netzwerk.
Nicht mehr benötigte Fernzugänge sollten wieder entfernt werden – beispielsweise wenn Mitarbeiter ausscheiden oder externe Dienstleister keinen Zugriff mehr benötigen.
Fernwartung durch den IT-Dienstleister absichern
IT-Dienstleister benötigen für Support und Wartung häufig Zugriff auf Systeme der Kanzlei.
Auch hier gilt: Ein Fernwartungszugang sollte nicht einfach dauerhaft und uneingeschränkt offenstehen.
Zu klären ist beispielsweise:
- Wer darf eine Fernwartungsverbindung herstellen?
- Werden persönliche Benutzerkonten verwendet?
- Ist Multi-Faktor-Authentifizierung aktiviert?
- Welche Systeme dürfen erreicht werden?
- Werden Zugriffe protokolliert?
- Können nicht mehr benötigte Berechtigungen unmittelbar entzogen werden?
Gerade bei weitreichenden administrativen Berechtigungen ist es wichtig, dass nachvollziehbar bleibt, wer wann Zugriff auf welche Systeme hatte.
Firewall-Regeln müssen regelmäßig überprüft werden
Eine Firewall wird nicht einmal eingerichtet und anschließend für Jahre vergessen.
Die IT einer Kanzlei verändert sich laufend. Neue Anwendungen kommen hinzu, Mitarbeiter wechseln, Server werden ersetzt und externe Zugänge werden eingerichtet oder nicht mehr benötigt.
Dadurch können mit der Zeit alte Firewall-Regeln und Freigaben bestehen bleiben.
Regelmäßig sollte deshalb geprüft werden:
- Welche externen Verbindungen sind erlaubt?
- Werden alle Freigaben noch benötigt?
- Gibt es alte Fernwartungszugänge?
- Sind Firewall und Firmware aktuell?
- Funktionieren Sicherheitsfunktionen und Protokollierung?
- Sind die Netzwerkbereiche weiterhin sinnvoll getrennt?
- Haben sich Anforderungen an Kanzleisoftware oder Cloud-Dienste geändert?
Genau deshalb sollte die Firewall auch Bestandteil eines regelmäßigen IT-Checks für Kanzleien sein.
Hardware-Firewall oder Software-Firewall?
Im ursprünglichen it4med-Artikel wird zwischen Hardware- und Software-Firewalls unterschieden. Diese Unterscheidung ist grundsätzlich möglich, für eine moderne Kanzlei aber etwas zu vereinfacht. Firewalls können heute als dedizierte Appliance, als Software auf einem System oder als virtuelle bzw. cloudbasierte Lösung umgesetzt werden. Der passende Aufbau hängt von Infrastruktur und Anforderungen ab.
Für eine Kanzlei ist vor allem entscheidend, dass der Übergang zwischen internem Netzwerk und Internet professionell abgesichert ist und die Lösung zur Größe und Struktur des Netzwerks passt.
Zusätzlich sollten auch die auf den einzelnen Computern vorhandenen Firewall-Funktionen aktiviert und zentral verwaltet werden.
Die verschiedenen Schutzebenen ergänzen sich.
Eine Firewall ersetzt keine anderen Sicherheitsmaßnahmen
Auch eine hochwertige Firewall kann nur einen Teil der IT-Sicherheit übernehmen.
Eine E-Mail mit einer täuschend echten Microsoft-365-Anmeldeseite kann beispielsweise technisch zulässigen Webverkehr verwenden. Gibt eine Person dort ihre Zugangsdaten ein, kann eine klassische Firewall dies nicht automatisch verhindern.
Deshalb sollte die Firewall Bestandteil eines umfassenderen Sicherheitskonzepts sein.
Dazu gehören unter anderem:
- Multi-Faktor-Authentifizierung
- sichere und persönliche Benutzerkonten
- Passwortmanagement
- aktuelle Betriebssysteme und Anwendungen
- Endpoint- und Virenschutz
- regelmäßige Backups
- Security Awareness für Mitarbeiter
- klare Zugriffsrechte
- dokumentierte Notfallprozesse
Wie wichtig Mitarbeiter bei der Erkennung von Phishing und Social Engineering sind, erklären wir ausführlich im Beitrag Security Awareness in Kanzleien.
Was sollte bei einer Kanzlei-Firewall geprüft werden?
Bei Einrichtung und regelmäßiger Kontrolle sollten insbesondere folgende Punkte berücksichtigt werden:
- Internetverbindung absichern
Nicht benötigte eingehende Verbindungen sollten blockiert werden. - Netzwerke segmentieren
Kanzleinetz, Gast-WLAN und sensible Systeme sollten entsprechend ihrem Schutzbedarf getrennt werden. - Fernzugriffe absichern
Remote-Arbeit und Fernwartung benötigen kontrollierte Zugänge und eine starke Authentifizierung. - Firewall aktuell halten
Firmware und Sicherheitsupdates müssen regelmäßig eingespielt werden. - Regeln dokumentieren
Freigaben und Sonderkonfigurationen sollten nachvollziehbar dokumentiert sein. - Protokollierung nutzen
Sicherheitsrelevante Ereignisse sollten bei Bedarf nachvollzogen werden können. - Konfiguration regelmäßig prüfen
Alte oder nicht mehr benötigte Regeln sollten entfernt werden.
Firewall als Teil der laufenden IT-Betreuung
Die Firewall sollte nicht isoliert betrachtet werden.
Netzwerk, Arbeitsplätze, Server, Microsoft 365, Backup und Benutzerrechte hängen miteinander zusammen. Änderungen an einem System können Auswirkungen auf andere Bereiche haben.
Deshalb sollte auch klar geregelt sein, wer die Firewall administriert, Updates durchführt und Konfigurationsänderungen dokumentiert.
Bei der Auswahl eines externen Partners helfen unsere 9 Kriterien für einen IT-Dienstleister für Kanzleien dabei, Themen wie Branchenkenntnis, Erreichbarkeit, Dokumentation und IT-Sicherheit strukturiert zu beurteilen.
Firewall und IT-Sicherheit für Ihre Kanzlei
Eine wirkungsvolle Firewall muss zur vorhandenen Infrastruktur passen und professionell eingerichtet und laufend betreut werden.
tech4legal unterstützt Rechtsanwalts- und Steuerberatungskanzleien bei der Planung und Betreuung ihrer IT – von Firewall, Netzwerk und WLAN über Microsoft 365 und Benutzerkonten bis zu Backup und IT-Sicherheit.
Fazit: Eine Firewall ist mehr als eine Schutzbarriere zum Internet
Eine professionell konfigurierte Firewall kontrolliert nicht nur den Datenverkehr zwischen Kanzlei und Internet. Sie kann auch dabei helfen, unterschiedliche Netzwerkbereiche voneinander zu trennen und Fernzugriffe kontrolliert bereitzustellen.
Für Kanzleien sind besonders drei Punkte wichtig:
interne und externe Netze sauber trennen, Remote-Zugriffe absichern und die Firewall regelmäßig überprüfen.
Die Firewall ist dabei immer nur ein Bestandteil der IT-Sicherheit. Erst im Zusammenspiel mit aktuellen Systemen, sicheren Benutzerkonten, Multi-Faktor-Authentifizierung, Backup und sensibilisierten Mitarbeiter entsteht ein belastbares Sicherheitskonzept.
Häufige Fragen zu Firewalls für Kanzleien
Braucht eine Kanzlei eine Firewall?
Eine professionelle Absicherung des Kanzleinetzwerks gegenüber externen Netzen gehört zu den grundlegenden Maßnahmen einer sicheren IT-Infrastruktur. Welche Firewall-Lösung sinnvoll ist, hängt von Größe, Infrastruktur und den eingesetzten Systemen ab.
Was ist Netzwerksegmentierung?
Bei der Netzwerksegmentierung wird ein Netzwerk in voneinander getrennte Bereiche aufgeteilt. Dadurch kann beispielsweise verhindert werden, dass Geräte im Gast-WLAN unmittelbar auf interne Kanzleisysteme zugreifen können.
Sollte das Gast-WLAN vom Kanzleinetz getrennt sein?
Ja. Geräte von Besucher oder Mandant benötigen normalerweise keinen Zugriff auf interne Systeme. Ein separates Gastnetz reduziert unnötige Verbindungen zum Kanzleinetz.
Wie sollte Homeoffice auf das Kanzleinetz zugreifen?
Fernzugriffe sollten kontrolliert und entsprechend dem Schutzbedarf abgesichert werden. Je nach Infrastruktur können unter anderem VPN, persönliche Benutzerkonten und Multi-Faktor-Authentifizierung eingesetzt werden.
Muss eine Firewall regelmäßig gewartet werden?
Ja. Updates, bestehende Regeln, Fernzugänge und Netzwerksegmentierung sollten regelmäßig kontrolliert werden. Nicht mehr benötigte Freigaben sollten entfernt werden.
Reicht eine Firewall allein für die IT-Sicherheit aus?
Nein. Eine Firewall sollte mit weiteren Maßnahmen wie Multi-Faktor-Authentifizierung, Endpoint-Schutz, aktuellen Systemen, Backups und Security Awareness kombiniert werden.